Natur
Copyright Text und Bilder Anke Junginger
Ahorn – Fröhlichkeit, Leichtigkeit, Wohlstand, Toleranz, Gelassenheit
Der Ahorn (lat. Acer) mit seinen auffallend gezackten Blättern ist das Wahrzeichen Kanadas und nimmt auch in Nordamerika einen hohen Stellenwert ein. Der schöne Baum wurde bereits von den Indianern Nordamerikas hoch geschätzt und noch heute wird aus bestimmten Arten des Ahorns der schmackhafte Ahornsirup gewonnen. Auch die Römer liebten diese Bäume und pflanzten sie gerne vor ihren Häusern an.
In Deutschland wurde der Baum in ländlichen Gebieten wegen seines Holzes und seinen Heilkräften sehr geschätzt.

Im Herbst leuchten die bunten Blätter in Gelb, Rot und Orange - sie bringen die Landschaft zum Glühen, erfüllen die Natur mit ihrem Licht und ihrem Leben, vertreiben alles Dunkle. Wer dies einmal erlebt hat, der weiß: der Herbst ist die Jahreszeit des Ahornbaums. Die leuchtenden Ahornblätter schenken noch einmal Kraft und Energie bevor der Winter seinen Mantel über die Farbenpracht der Natur legt. Die Blätter des Ahorns verraten seinen Charakter: individuell, fröhlich – voller Leichtigkeit. Der Ahorn ist ein Symbol für Wohlstand, Gesundheit und ein langes Leben. Seine warmen Farbtöne hüllen uns ein und er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Unserer Vorfahren glaubten, dass der Ahorn auch schützend wirkt – vielleicht lag, das an seinen gezackten auffallenden Blätter. Und so wurden manchmal Ahornzweige ans Fenster gestellt, um Hexen und Geister fernzuhalten und um vor Blitzen zu schützen.

Der Ahornbaum inspirierte den Kanadier Alexander Muir 1867 zu seinem Lied „The Maple Leaf Forever", sogar auf der kanadischen Flagge findet sich ein rotes Ahornhornblatt auf weißem Grund.
Auch in Japan findet man eine starke Verbindung zum Ahorn, er wird häufig auf Bildern dargestellt. Er symbolisiert Anmut, Schönheit und Einklang.
Der Ahorn (Acer) ist in Asien heimisch, die wohl einzige Ahornart, die in Deutschland heimisch ist, ist der Feldahorn (Acer campestre).

Quelle – Studien über die Deutschen Namen der in Deutschland heimischen Pflanzen, A.R.v, Preger, 1858.
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Mythologie und Bedeutung des Holunders
Der Holunder – Transformation, schützt das Zuhause, für Fruchtbarkeit und reiche Ernte
Holunder Stecken und Schwarzdorn Geäst –
So wird es eine Umzäunung für die Ewigkeit.
- Altes Sprichwort –

„er ist aber holder genent worden derub das seine zweig inwendig hol und voller mark sind,…" Der Name setzt sich zusammen aus hohl und ter (Bedeutung Baum oder Strauch). Aus A.R. v. Perger, Studien über die Deutschen Namen Der In Deutschland heimischen Pflanzen, 1858.
Kaum eine andere Pflanze kommt so viel Achtung und Respekt in der Mythologie zu, so wird dem Holunder eine starke Beziehung zur Welt der Elfen und Naturwesen nachgesagt. Sogar bei Harry Potter treffen wir auf ihn in Form des mächtigen Elderstabes – denn hinter Elder verbirgt sich das englische Wort für Holunder. Und er ist wahrlich zauberhaft in seinem Blütenkleid als auch mit dunklen Beeren behangen. Seit Jahrhunderten liefert er nicht nur den Tieren Nahrung, sondern auch leckere Marmelade, Gelee und Sirup. Er gilt als starke Heilpflanze.

Bereits die Griechen, die Römer und die Germanen liebten den Holunder und es galt als ein gutes Zeichen, ihn nah am Zuhause zu pflanzen. In Dänemark sagt man: Wer unter einem Holunder weilt in der Mittsommernacht, der sieht um Mitternacht den Elfenkönig mit all seinem Gefolge... In England und in Dänemark vermied man es einen Holunder zu fällen, da man glaubte, dass in seinem Stamm die Holunder-Mutter wohnt. Die Germanen sahen den Holunder als Wohnsitz der Göttin Freya, die schützend und wohlwollend über Haus und Hof wachte. Und noch heute kennt man in Deutschland das Märchen Frau Holle von den Gebrüdern Grimm: Der Holunder ist der heilige Baum von Frau Holle, der germanischen Muttergöttin. Ebenso wie die Göttin Freya wird ihr eine Verbindung zu Wasser und zu Quellen nachgesagt – der Weg zu Ihr führt im Märchen durch einen Brunnen – somit lässt sich auch erklären warum sich der Holunder so häufig an heiligen Quellen findet.
So stark war der Einfluss des Holunders im Volksglauben, dass man mit dem aufkommenden Christentum versuchte seine enge Bindung zu den Menschen zu zerstören. Gebete und Opfergaben unter den Holunderbüschen wurden mit Strafen belegt und die Göttin in die Rolle des furchteinflößenden Gespenstes gedrängt. Doch wer in sich hineinspürt, der weiß, warum unsere Vorfahren das Haupt vor dem Holunder neigten – seinen Großmut, seine ursprüngliche Kraft, seine Heilkunst und sein freundliches Wesen hat er nämlich bis heute nicht verloren – und damals wie heute sucht er mehr wie jeder andere Baum die Nähe zum Menschen. Wer diese Tradition und Beziehung wieder stärken möchte, der sollte einen schützenden Holunderbaum in seinem Garten pflanzen. Es gilt übrigens als Glückszeichen, wenn sich ein Holunder von selbst im Garten ansäht.
In Dänemark sagt man: Wer unter einem Holunder weilt in der Mittsommernacht, der sieht um Mitternacht den Elfenkönig mit all seinem Gefolge...
In Deutschland erzählte man von Zwergen, kleine Wesen, die eng mit den Holunderbäumen verbunden sind.
In Irland zählte der Holunder zu den heiligen Bäumen und man durfte keinen Ast von ihm brechen.
In Russland glaubt man, dass der Holunder böse Geister fernhält

Der Holunder (Sambucus) kommt als Strauch oder kleiner Baum vor und er trägt viele umgangssprachliche Namen. Man kennt ihn auch als Holler, Holder, Fliederbeerbusch. Man unterscheidet in Schwarzen Holunder, Roten Holunder und den Zwergholunder. Sein hohlen Zweige sind mit Mark gefüllt:
„er ist aber holder genent worden derub das seine zweig inwendig hol und voller mark sind,…" Der Name setzt sich zusammen aus hohl und ter (Bedeutung Baum oder Strauch).
Aus A.R. v. Perger, Studien über die Deutschen Namen Der In Deutschland heimischen Pflanzen, 1858.

Quellen:
The Folk-Lore of Plants, T. F. Thiselton-Dyer, 1889
Vollständiges Wörterbuch der Mythologie aller Nationen, Dr. W. Vollmer, Stuttgart, 1836.
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Mythologie und Bedeutung der Eibe
Der Baum der Ewigkeit und des Lebens
Die Eibe
Schlägt an die Scheibe,
Ein Funkeln
Im Dunkeln.
Wie Götzenzeit, wie Heidentraum
Blickt ins Fenster der Eibenbaum.
Theodor Fontane, 1819 - 1898

Wer vor einer alten Eibe steht, der spürt Ehrfurcht – die Eibe durchdringt, sie ist allwissend, ein heiliger Baum der über die Erde wacht. Die Eibe ist der Baum des ewigen Lebens, der Baum der Auferstehung, der Wiedergeburt und der Erneuerung. So erstaunt es kaum, dass man inzwischen denkt, dass es sich bei Yggdrasil, dem Weltenbaum aus der nordischen Mythologie, nicht um die Weltesche, sondern um eine Eibe gehandelt haben soll.
Die Seele der Eibe ist voller Magie - es ist ein mystischer Baum, der das ewige Leben in sich trägt. Die Eibe kennt alle Geheimnisse, sie ist ein Baum, der das Tor in die Welt der Elfen und Naturwesen öffnet - tretet ein uns seid willkommen...

Holz und Äste der Eibe waren im Volksglauben ein guter Schutz gegen Verzauberung von Mensch und Tier und ein Sprichwort sagte „Vor Eiben kann kein Zauber bleiben."
Es ist auffällig, dass sich vor allem in England sehr viele alte Eiben in der Nähe von Kirchen und Friedhöfen finden. Sie verbinden die Toten mit den Lebenden, bilden eine Brücke – nicht umsonst säumen diese mächtigen Bäume in der griechischen und römischen Mythologie den Weg in die Unterwelt. Doch das Düstere haftet der Eibe nicht an – es verblasst angesichts ihres unglaublichen Lebenswillens und so erkannte auch Hildegard von Bingen, dass die Eibe ein Baum der Fröhlichkeit ist. Die Eibe zeigt uns, wie sich Widersprüche aufheben – wie Licht und Schatten eins sind, wie Alter an Bedeutung verliert und die Ewigkeit an diese Stelle tritt. Die Eibe löst die Furcht auf und hilft uns dabei uns selbst zu begegnen.
Dass die Eibe in der Mythologie an so bedeutsamer Stelle steht, hängt damit zusammen, wie sich die Eibe aus sich selbst heraus erneuert und somit unsterblich wird: Wird die Eibe älter und Äste hängen auf den Boden, so entstehen aus diesen Ästen neue Bäume. Alte Bäume, die von innen hohl werden, bilden aus den sogenannten Innenwurzeln und den Überresten des äußeren Randes neue Bäume, die dann in Ringform weiter wachsen.

Die immergrüne Eibe (Taxus) zählt zu den Eibengewächsen (Taxacae). Feuerrote kleine Früchte zieren im Herbst die weiblichen Pflanzen. Vorsicht, denn die Eibe enthält giftiges Taxin sowohl in Rinde, Samenkern und Nadeln. Diese Teile des Baumes sind für Pferde und Rinder giftig. In Deutschland wurden die Eiben bis ins 16. Jahrhungert gefällt, da man das Holz für die Herstellung von Langbögen verwendete, aus diesem Grund sind die Eiben selten geworden in unseren Wäldern.

Bei Balderschwang findet man die älteste Eibe Deutschlands – das Alter kann nur sehr ungenau auf 2000 bis 4000 Jahre geschätzt werden.
Die älteste Eibe Europas steht in Fortingall in Schottland - ihre Alter wird auf 5000 Jahre geschätzt.
Wer den Zauber der Eiben erleben will, dem sei ein Ausflug in den Paterzeller Eibenwald ans Herz gelegt.

Quelle und Literaturtipp: Fred Hagenederl, Die Eibe in neuem Licht, Eine Monographie der Gattung Taxus, Neue Erde, Saarbrücken 2007.
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Die Linde – ein Baum der Gemeinschaft, des Lachens und Tanzens aber auch der Gerechtigkeit und der Rechtsprechung
Das ist der alte Märchenwald
Es duftet die Lindenblüte!
Der wunderbare Mondenglanz
Bezaubert mein Gemüte.
- Heinrich Heine -

So verzauberte die Linde bereits im 19. Jahrhundert Heinrich Heine. Und wahrlich, sie ist ein zauberhafter Baum voller Leichtigkeit und Licht – ein Baum der Liebe, der Freude, des Vertrauens und der Gerechtigkeit. Wer von der Linde fasziniert ist, der hat eine Beziehung zu diesem wundervollen Baum und folgt damit einer ganz langen Tradition.
Schon die Germanen schätzten die Linde sehr und im Mittelalter stand sie im Zeichen der Liebe. Unter ihren mächtigen Zweigen fanden oft Trauungen statt. Die Linde war auch der Baum der Rechtsprechung, ein Ort, wo man gerne Verträge schloss: Wer den Daumen auf die Rinde drückte, hatte besiegelt, was vereinbart worden war. Diese sogenannten Gerichtslinden waren Gerichtsstätten, wo Ratsversammlungen und das Dorfgericht unter freiem Himmel abgehalten wurden.
Auch bei Versammlungen war die Linde ein beliebter Ort für die Zusammenkunft.
Und ihr Schatten galt seit jeher als heilsam – so wird der Platz unter einer Linde zum Ort der Kraft – verweilen wir unter ihrem Blätterdach und Geäst, so tun wir etwas Gutes für unser Herz, unsere Seele und unseren Körper. Die Energie der Linde ist ganz sanft und leicht. Wirken andere alte Bäume oft mächtig, fast ein bisschen „grimmig“ oder düster - so wirkt die Linde immer verspielt und gefällig. Ihre Botschaft an die Menschen lautet: „Verliere nie Dein Lachen, tanze durchs Leben und nehme nichts allzu schwer, aber verlasse nicht den rechten Pfad.“
Der Name der Linde leitet sich wahrscheinlich vom Lindenbast, der unter der Rinde liegt und früher als Strick verwendet wurde. Vielleicht stammt er aber auch von dem Wort lind ab – weil Laub so sanft und das Holz so biegsam und weich ist (Linde = die Biegsame von lind = weich, biegsam).
Die Linde spiegelt auch in der Symbolik diese sanften Eigenschaften wieder – sie steht für Gastfreundschaft, Bescheidenheit, liebevolle Partnerschaft, Gerechtigkeit. In ihrer Tradition als Tanzlinde symbolisiert sie auch Geselligkeit, Freude, Lachen und Gemeinschaft.
Die Linde fasziniert und inspiriert:
So schrieb Friedrich Rückert sein Gedicht „Ich atmet einen Lindenduft“. Und wer kennt nicht die bekannten Zeilen „Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum“ aus dem Gedicht „Der Lindenbaum“ von Wilhelm Müller.
Arten der Linde:
(Tilia): Tilia Grandifolia = Großblättrige Linde (Sommerlinde)
Tilia Arvifolia = Kleinblättrige Linde (Winterlinde, Spätlinde)
Tilia Aurea = Goldlinde Tilia Cordata = Winter-Linde
Tilia Tomentaosa = Silber-Linde

Wo findet man besonders mächtige und bekannte Exemplare des Lindenbaumes?
In vielen Städten über ganz Deutschland verteilt, finden sich Linden als Dorfbäume, zum Beispiel Gerichtslinden oder sogenannte Tanzlinden, die mit Säulen und Podesten zu „lebenden Bauwerken“ werden. Eine besonders schöne Tanzlinde findet man zum Beispiel in Peesten.
Weitere bekannte alte Tanzlinden:
Die Tanzlinde in Langestadt findet man im Ortsteil Neudrossenfeld.
Die Tanzlinde in Limmersdorf / Thurnau soll etwas 350 Jahre alt sein. Hier wird die Tradition noch heute mit der sogenannten Lindenkirchweih aufrechterhalten. Seit 1729 findet sie nachweislich statt.
Die Tanzlinden in Galenbeck, in Effelder, in Sachensbrunn, in Oberstadt, in Himmelsberg, in Niedenstein, Bexten – und diese Liste ließe sich noch erweitern….
In Helmsdorf in Thüringen findet man sogar im Wappen das Abbild einer Linde. Der Baum ist ein Naturdenkmal und steht in der Mitte des Ortes.
Die Tassilolinde bei Wessobrunn in Bayern beeindruckt mit einem Umfang von ca. 14 Metern.
Die Wolframslinde in Ried nahe Bad Kötzting (Bayerischer Wald) ist seit 1957 ein Naturdenkmal. Sie soll 800 bis 1000 Jahre alt sein und hat einen Umfang von ca. 13 Metern.
Die Kasberger Linde steht im Landkreis Forchheim und soll 600 bis 1000 Jahre alt sein. Seit 1976 ist sie ein Naturdenkmal.
Die Linde in Wiesenbach steht im Ortsteil Wiesenbach im LK Schwäbisch Hall), sie ist ca. 800 Jahre alt, zu finden neben der Ortsdurchfahrt in Richtung Schmalfelden.
Die Linde bei Hildrizhausen im LK Böblingen zählt an die 400 Jahre. Dorflinde in Schenklengsfeld: Sie gilt als einer der ältesten Bäume Deutschlands – man schätzt sie um die 1000 Jahre. Unter Ihr fanden Gerichtsverhandlungen statt, aber auch Tänze – die letztere Tradition hat sich bis heute mit dem sogenannten Lindenblütenfest erhalten.
Auch in Heede steht eine 1000-jährige Linde in der Nähe einer alten Kirche. Ihr Stamm hat einen Umfang von über 18 Meter. Nahe des mächtigen Baumes werden von 1937 bis 1940 Marienerscheinungen berichtet.
Die mächtige Bordesholmer Linde ist ebenfalls eine Sehenswürdigkeit und blickt auf eine Tradition als Gerichtslinde zurück. Sie soll bis zu 700 Jahre alt sein.






